Das persönliche Zeugnis

Anmerkung: Dieser Artikel ist ein Auszug aus meinem Buch Sci-Faith - Die Vereinbarkeit von Glaube und Wissenschaft. In dem Kapitel schildere ich mein Zeugnis. Hier findet sich eine gekürzte und angepasste Version. Das komplette Zeugnis findet sich in meinem Buch.

Wie bereits mehrmals erwähnt glaube ich, dass das persönliche Zeugnis viel wichtiger ist als jede wissenschaftliche Begründung dafür zu glauben. Denn das hat Stabilität. Wenn Du Gott erlebt hast, weißt Du, dass Er existiert und wenn vermeintlich widersprüchliche wissenschaftliche Erkenntnisse zutage befördert werden, weißt Du, dass Gott trotzdem real ist und diese Fakten alle so gedeutet werden können, dass sie die Existenz Gottes zulassen. Nur dies erlaubt einen stabilen Glauben, der notwendig ist, um mit Gott zu gehen, denn es wird im alltäglichen Wandel immer tausende Dinge geben, die der Wahrheit des Wortes Gottes zu widersprechen scheinen. Allerdings, und das kann ich bezeugen, wird sich am Ende immer die Wahrheit seines Wortes bestätigen.

Ich möchte noch ein Bild aus der Wissenschaft geben, um das zu verdeutlichen. Isaac Newton glaubte damals Licht bestehe aus Korpuskeln, also Teilchen. Noch zu seinen Lebzeiten waren aber immer mehr Wissenschaftler, allen voran Huygens der Überzeugung, dass das Licht aus Wellen besteht. Es schien also als läge Isaac Newton falsch. Er weigerte sich aber stets die Wellennatur des Lichts anzuerkennen und versuchte, andere Deutungen für diese Messungen zu finden. Aufgrund Newtons Status als einer der größten Wissenschaftler hielt man an dieser Korpuskeltheorie des Lichts fest und erst durch Thomas Youngs Nachweis der Wellennatur des Lichts durch Interferenzexperimente begann man, die Korpuskeltheorie allmählich zu verwerfen.

Irgendwas in Newton schien ihm stets zu bezeugen, dass Licht Teilchennatur haben musste. Denn über die Vorteile der Beschreibung von Licht als Welle dürfte er sich im Klaren gewesen sein. Ob Newton seine Überzeugung nicht loslassen wollte, weil er zu stolz war, oder weil er wirklich tief in seinem Inneren ein "Zeugnis" hatte, wissen wir heute nicht. Aber über 200 Jahre später sollte sich herausstellen, dass Newton Recht behalten hatte. Die Anfang des 20. Jahrhunderts aufkommende Theorie der Quantenmechanik bestätigte, dass sich Licht wie Teilchen und Wellen verhalten konnte, aber definitiv mehr von der Teilchennatur hatte, da auf einem Detektor immer nur einzelne Klicks auftraten. Newton hatte also richtig gelegen auch wenn es noch lange nach seinem Tod so aussah als läge er falsch.

Genauso kann es oft mit dem Glauben sein. Kurzfristig kann es so aussehen als läge Gottes Wort falsch, aber auf lange Sicht wird sich Gottes Wort immer als die Wahrheit herausstellen. Das sieht man auch in der Wissenschaft, in der viele Dinge, welche die Bibel vorhersagt, als widerlegt betrachtet wurden bis sie bestätigt werden konnten. Daher ist es, um im Glauben zu leben, wichtig, ein eigenes Zeugnis zu haben, welches bestätigt, dass Gott real ist und sich nicht von der derzeitigen Situation im Alltag von diesem Glauben abbringen lässt. Deswegen hoffe und bete ich, dass Dir dieses Buch nicht nur zeigt, dass es vernünftig ist an Gott zu glauben, sondern, dass Du Ihn durch dieses Buch auch erlebst und somit Dein eigenes Zeugnis bekommst. Oftmals hilft es dabei von anderen zu hören, wie das bei ihnen war, weswegen ich in den nächsten Abschnitten mein eigenes Zeugnis niederschreiben möchte.

Mein Zeugnis

Meine Eltern bekehrten sich noch vor meiner Geburt und so wuchs ich von Tag eins im Glauben an Gott auf. Ich ging sonntags in die Kinderstunde, auch wenn ich mich als Kind oft dagegen wehren wollte, lernte die biblischen Geschichten und sah die Welt aus einem Blickwinkel des Glaubens.

Mit etwa sechs Jahren wurde mir bewusst, dass es notwendig war, sich von Herzen für Jesus und Sein Erlösungswerk zu entscheiden. Im Nachhinein glaube ich, dass in dieser Situation der Heilige Geist zu mir gesprochen hat, auch wenn ich das damals nicht realisierte. Also traf ich die Herzensentscheidung Jesus zu folgen und würde diesen Moment heute als meinen Bekehrungsmoment betrachten.

Bald danach wurde ich eingeschult. In dieser Zeit hatte ich von vielen gehört, die auf spektakuläre Weise zum Herrn gekommen waren und alle erzählten entweder von Wärme, Licht oder ähnlichen Auswirkungen, die dies auf sie hatte. Ich hatte dies in meiner Bekehrung alles nicht erlebt und begann an meiner Erlösung zu zweifeln. Dies ging so weit, dass ich manchmal jeden Tag aufs Neue das Übergabegebet betete, um ein bestätigendes Gefühl meiner Erlösung zu bekommen. Selbst wenn dieses Gefühl manchmal eintrat, so verflog es meist genauso schnell wieder. Nachdem ich alle möglichen Übergabegebetsrituale ausprobiert hatte, um dieses Gefühl der Erlösung zu erlangen, gab ich schließlich enttäuscht auf. Das war etwa in der vierten Klasse und der kommende Schulwechsel auf die Realschule lenkte mich ein wenig von all dem ab, was in mir so vor sich ging.

Als ich mich in der neuen Schule zurechtgefunden hatte, begann in mir ein Verlangen größer zu werden, dass ich schon länger hatte: Ich glaubte nach wie vor, dass es Gott gibt. Dies war etwas, dass ich von Kindheit an einfach wusste. Aber mehr und mehr wurde mir bewusst, dass, wenn es Gott gibt, da doch mehr sein musste als das, was ich bisher erlebte. Wenn Gott wirklich existiert und Seinen Sohn für uns gab damit wir erlöst sind, muss das Leben doch mehr sein als Tag für Tag in die Schule zu gehen, und sonntags im Gottesdienst eine Predigt zu hören und den Rest der Woche wieder zu leben als würde Gott nicht existieren.

Dies wurde mir mehr und mehr bewusst. Und je mehr mir dies klar wurde und je weniger ich dieses Mehr in meinem Alltag erlebte desto verzweifelter wurde ich. Hin und wieder gab es diverse christliche Veranstaltungen, die ich besuchte, an denen dieses Mehr, wonach ich suchte, erlebbar war, aber stets war wenige Tage nach diesen Veranstaltungen alles wieder abgeebbt und der Alltag hatte mich wieder. Ich wusste, dass dies nicht der Wille Gottes für mein Leben sein konnte. Da ich aber nirgends einen Weg fand, wie ich dieses Mehr langfristig in meinem Leben haben konnte, spielte ich mehr und mehr mit dem Gedanken, den Glauben aufzugeben. Ich war immer noch fest davon überzeugt, dass Gott real ist, aber da ich Ihn nicht erlebte, war ich dazu geneigt das Ganze aufzugeben. Dann könnte man immerhin sonntags auch mal ausschlafen.

Doch Gott sei Dank kam es anders. Gott scheint meinen Hunger gesehen zu haben und ließ mich nicht im Stich. Es war damals so, dass meine Heimatgemeinde begann, sich einer neuen Bewegung anzuschließen. Ich machte mir darüber zunächst wenige Gedanken, da es oft dazu kam, dass Gastsprecher eingeladen wurden, die neue Lehren brachten. Meist änderte sich dadurch aber nur wenig, zumindest empfand ich dies stets so. Ich stand dem also zunächst sehr skeptisch gegenüber. Als ich aber die ersten Predigten dieser neuen Lehre hörte, war ich begeistert und merkte schnell, dass dies das Mehr war, wonach ich mich die ganze Zeit gesehnt hatte. Das Grundlegende an dieser Lehre war, dass wir durch die Erlösung Christi nicht nur die Vergebung unserer Sünden erfahren haben, sondern zu einer komplett neuen Schöpfung geworden sind, jetzt Söhne Gottes sind und Jesus in uns lebt. Auch betont wurde, dass diese neue Schöpfung sich nicht in aller erster Linie im Sichtbaren manifestiert, sondern unser Geist neu geschaffen wurde. Mit Geist ist hier nicht der Verstand gemeint, sondern das, was uns in unserem tiefsten Inneren ausmacht und uns erlaubt, mit Gott in Verbindung zu treten. Daher ist diese neue Schöpfung nicht unbedingt fühlbar (sie kann es sein), sondern wird durch Glauben aktiviert. Diese Lehre geht auf die Lehren von E.W. Kenyon zurück.

Diese Offenbarungen halfen mir dabei, meine Probleme mit meinem Glauben zu überwinden. Zunächst wusste ich nun, dass, ob ich es fühle oder nicht, ich durch meine Entscheidung für Jesus von Neuem geboren bin. Seitdem ich dies erkannt habe, habe ich nie wieder an meiner Erlösung gezweifelt und bete das Übergabegebet heute höchstens, um mir dies nochmal neu bewusst zu machen, aber nicht aus Zweifel an meiner Erlösung. Auch das Mehr wonach ich suchte, konnte ich darin finden. Dadurch, dass Jesus in mir lebt, kann ich jederzeit Gemeinschaft mit Ihm haben, denn letztlich war das Mehr, wonach ich mich sehnte, nur eine Sehnsucht nach einer Beziehung zu Jesus. Nun wusste ich, dass, egal ob ich mich danach fühle oder nicht, Jesus in mir lebt und ich immer aus dem Glauben heraus Gemeinschaft mit Ihm haben kann. Witzigerweise stellten sich damit auch die Gefühle ein: Dadurch, dass ich glaubte, dass ich erlöst bin und glaubte, dass Jesus in mir lebt, fühlte ich die Realität meiner Erlösung und konnte Ihn in mir spüren. Das ist für mich der größte Beweis dafür, dass der Glaube wirklich Kraft hat. Viele Probleme entstehen oft dadurch, dass wir uns von unseren Gefühlen leiten lassen, statt im Glauben die Wahrheit zu ergreifen und darauf zu vertrauen, dass unsere Gefühle sich auf kurz oder lang an diese Wahrheit anpassen werden.

Auch sah ich zu diesen Zeiten das erste Mal, wie Gott Zeichen und Wunder tat, was mir die Wahrheit dieser Lehre auch im Sichtbaren bestätigte.

Dies alles kam genau zur rechten Zeit. Während ich zuvor kurz davor war meinen Glauben enttäuscht aufzugeben, war ich nun voll Hunger nach mehr und hatte dieses Zeugnis, dass Jesus mich erlöst hat und in mir lebt. Ich wollte von nun an nur noch für Jesus leben und von Seinem Geist geführt sein.

Und Gott hatte gerade erst begonnen. Ich erkannte mehr und mehr, dass das Leben Gottes nicht langweilig ist, sondern der größte Spaß, den man überhaupt haben kann. Ich habe nie Probleme mit Alkohol, Zigaretten oder sonstigen Drogen gehabt, da ich nie ein Bedürfnis danach hatte, weil ich so von Gott erfüllt war. Ich weiß, das mag komisch klingen und ist nicht das, was man sich derzeit unter Christsein vorstellt, aber sieh es mal so: Wenn Gott wirklich real ist und er allmächtig ist, wird er dann nicht die beste Zeit von allen haben? Wird es Ihm dann nicht am besten gehen, besser als es jeder Schnaps oder jede Zigarette vermag fühlen zu lassen? Und jetzt stell Dir vor, dieser Gott lebt in Dir, wie wird es Dir dann wohl gehen?
Gott rät uns von diesen Rauschmitteln nicht ab, weil er ein Spielverderber ist, sondern weil sie eine billige Kopie von dem sind, was Er zu bieten hat.

In der darauffolgenden Zeit lernte ich die Liebe und die Freude Gottes kennen. Es ist eine Liebe, die sich nicht mit der menschlichen Liebe vergleichen lässt und in 1. Korinther 13 treffend beschrieben wird. Die Freude Gottes erlaubte es mir, mich unabhängig von den Umständen stets zu freuen. Das klingt utopisch, aber mir erging es wirklich so. In dieser Zeit ließ ich mich auch taufen, bekannte mich somit bewusst zu meinem Glauben und entschied mich dazu, mein Leben dem Herrn hinzugeben.

Diese Zurüstungen waren gut, aber auch vonnöten in der kommenden Zeit, denn die darauffolgenden Jahre waren im Natürlichen nicht gerade einfach. Ich hatte in der Schule sehr bald mit Mobbing zu kämpfen und ein daraus resultierendes geringes Selbstwertgefühl. Auch war ich nicht nur das unschuldige Opfer, denn tatsächlich war ich nicht ganz unten in der "Mobbingkette". Also piesackte ich diejenigen, die in der Mobbingkette unter mir waren. Ich dachte, das sei alles nur Spaß und sie würden das verstehen. Und als sie ausrasteten, meinte ich oft, sie müssten halt lernen mit Spaß umzugehen. Ich glaube viele, die in der Mobbingkette über mir waren, sahen das ähnlich mir gegenüber.

Nachdem ich mich zunächst vergeblich um einen Platz als Bankkaufmann beworben hatte, entschied ich mich dazu, ein Fachabitur mit Wirtschaftsvertiefung zu machen. Ich dachte Bankkaufmann wäre der Beruf für mich, da ich Mathematik toll fand und meinte als Bankkaufmann hätte man sicher viel mit Mathe zu tun. Daher war ich sehr enttäuscht als ich von einer Bank nach der anderen abgelehnt wurde. Als ich jedoch mein Fachabitur begann, merkte ich sehr schnell, dass dies gut so gewesen war, wie es stets im Wandel mit Gott ist, der alles immer zum Besten führt. Es stellte sich nämlich heraus, dass das, was ich bei einer Bank gemacht hätte, überhaupt nicht mein Ding gewesen wäre und das Fach, welches sich mit diesen Themen befasste, war das Fach, welches ich am wenigsten ausstehen konnte.

Die Probleme aus der alten Schulzeit ließen jedoch nicht nach als ich in diese neue Umgebung kam. Man hänselte mich zwar nicht mehr, aber es wurde viel gelästert, was ich besonders zu spüren bekam als ich ziemlich am Anfang der Schulzeit eine Gruppe aus meiner Klasse hörte, wie sie über mich und einen meiner Freunde lästerten.

Dennoch sehe ich auf diese Zeiten mit Freude zurück, weil Jesus mich durch all diese harten Zeiten begleitet hat und ich durch die Erfüllung von Ihm ich diese Zeiten nie als hart erlebt hatte. Ich konnte schließlich all meinen Kummer immer auf Jesus werfen und im Gegenzug dazu Seine göttliche Freude erhalten.

Ein Leben mit Gott bedeutet nicht, dass man keine Probleme mehr hat, sondern, dass Gott einen in all diesen harten Zeiten begleitet und so mit Seiner Freude erfüllt, dass wenn man sich auf Ihn statt auf die Probleme fokussiert, diese harten Zeiten gar nicht mehr hart sind.

Ich hatte in der Realschule immer geglaubt Physik sei nichts für mich. Ein Grund dafür ist, dass die Art und Weise, wie Physik in der Schule vermittelt wird, meines Erachtens höchst verbesserungswürdig ist. Als ich dann jedoch das Abitur machte und begriff, dass BWL und Finanzmanagement gar nicht meinen Interessen entsprechen, begann ich mich neu auszurichten. Zunächst wollte ich etwas mit Sprachen machen, begeisterte mich aber mehr und mehr für die moderne Physik, insbesondere die Quantentheorie. Zunächst betrieb ich das nur als Hobby in meiner Freizeit, las Bücher darüber und wollte weiterhin etwas mit Sprachen machen. Auch durch einen guten Physiklehrer im Abitur begann meine Faszination für die Physik zu wachsen. Mit der Zeit begann ich darüber nachzudenken Physik zu studieren und hatte mich sehr schnell auf den Studienort Heidelberg festgelegt. Ich beschloss mich also, zur Überraschung von Familie, Bekannten und Freunden, Physik zu studieren und bewarb mich an der Universität Heidelberg, welche mich nach einem Auswahlgespräch auch annahm. Vor dem Studium deckte ich meinen Wissendurst hauptsächlich mit populärwissenschaftlichen Büchern. Darunter waren auch die Werke des bekannten Physikers Stephen Hawking. Dieser war selbst Atheist und versuchte in seinen Büchern (insbesondere in "Der große Entwurf") stets, die Physik mit einem atheistischen Weltbild in Einklang zu bringen und zu begründen, wie es möglich sein kann, dass eine Welt ohne jegliche göttliche Einflussnahme in Existenz kommen kann. Mit anderen Worten versuchte er eine Antwort auf die Frage wie Etwas aus Nichts entstehen kann, zu finden. Seine Argumentation erschien mir zur damaligen Zeit äußerst schlüssig und ich begann ernsthaft, meinen Glauben zu hinterfragen. Zur damaligen Zeit wusste ich selbst noch so gut wie nichts von dem, was ich in diesem Buch schreibe und konnte auf dieses Wissen nicht zurückgreifen. Was mich damals und mein ganzes Studium hindurch dazu brachte, trotz der Argumentation eines der respektiertesten Physiker überhaupt meinen Glauben nicht zu verlassen, war folgender Gedanke, den ich, wie ich glaube, durch das Sprechen des Heiligen Geistes, empfangen habe:

Selbst wenn Hawkings Argumentationsweise fehlerfrei ist und es physikalisch möglich ist, dass das Universum spontan in Existenz gekommen ist, schließt das nicht aus, dass dies statt spontan zu geschehen auf Initiative Gottes geschehen ist und ganz egal wie weit man diese Argumentation vertieft und experimentell bestätigt, kann ein spontanes in Existenz kommen des Universums nie die Möglichkeit des geschaffenen Universums ausschließen. Und da du Gott bereits mehrmals auch anhand sichtbarer Zeichen und Wundern erlebt hast, weißt du, dass Gott real ist und somit die Welt erschaffen wurde.

Dies war, auch wenn ich es damals in dieser Tiefe noch nicht verstand, der Grundgedanke hinter den Aussagen dieses Buches.

In meinem Studium verstärkte sich diese Überzeugung, da ich mehr und mehr zu sehen begann, wie viel Spielraum in den möglichen Interpretationen einer Theorie bestand und statt durch das Studium sich vom Glauben zu entfernen, war ich mehr denn je in meinem Glauben bestätigt.

Als gläubiger Physikstudent, und das merkte ich sehr schnell, war ich in der Minderheit. Tatsächlich habe ich in meinem Jahrgang keinen einzigen gläubigen Christen kennengelernt, was jedoch nicht heißen muss, dass es niemanden gab. Unser Jahrgang bestand aus über 400 Studenten, von denen ich bei weitem nicht alle kennenlernte. Als beim Mittagessen dann des Öfteren Gespräche über Evolutionstheorie und Glauben zustande kamen, ging ich dem zunächst aus dem Weg. Zum einen, weil ich von Evolutionstheorie kaum Ahnung habe und zum anderen, weil ich nach wie vor glaube, dass die meist daraus entstehenden endlosen Diskussionen oft von wenig Nutzen sind. Stattdessen beschloss ich, sie mit dem, was ich erlebt hatte, zu konfrontieren und erzählte von Zeichen und Wundern. Dies konfrontierte sie und meist wussten sie nicht so recht, was sie darauf antworten sollten. Somit hatte ich erstmal meine Ruhe, anstatt meinen Glauben in endlosen Argumenten verteidigen zu müssen.

Dies schien wirklich an ihnen zu arbeiten und sie dachten viel darüber nach. Das merkte ich vor allem an einem Ereignis, welches gleichzeitig den Grundstein für dieses Buch geschaffen hat. Es war die Woche vor den Weihnachtsferien. Ein Kommilitone und ich bearbeiteten einen der letzten Übungszettel vor den Ferien. Wir waren in dieser Woche nicht mehr sonderlich motiviert und bereits im Ferienmodus. Wieder und wieder lenkten wir uns von dem Zettel ab und sprachen über dies und das. Nach einiger Zeit brachte er immer wieder Glauben und Wissenschaft ins Spiel. Ich versuchte dem zunächst auszuweichen, da es in die Richtung "Die Evolution ist so gut bestätigt, wie kann die Bibel also wahr sein?" ging. Da ich mich mit Evolution, wie gesagt kaum auskenne, und er auch einige Vorlesungen, die in diese Richtung gingen, besucht hatte, wusste ich nicht, wie ich dagegen argumentieren sollte. Als es aber unausweichlich wurde sich auf dieses Gespräch einzulassen, tat ich Folgendes: Ich bat den Heiligen Geist meinen Mund zu führen, weil ich nicht wusste was ich sagen sollte. Und so komisch das auch klingen mag, das tat der Heilige Geist dann auch. Es ist schwierig zu beschreiben, wie das genau ablief, aber ich werde es im Folgenden versuchen: Ich sagte Dinge, die mir zuvor nie durch den Kopf gegangen waren und begriff diese Dinge genau in dem Moment, in dem ich sie bereits aussprach. Somit war, was ich sagte nicht nur für mein Gegenüber neu, sondern während ich es aussprach war ich selbst erstaunt über diese Erkenntnisse. Wenn man dies nicht selbst erlebt hat, kann man nur schwer nachvollziehen, wie so etwas sein kann. Doch für mich ist es eine Bestätigung, dass Jesus wirklich in mir lebt und fähig ist mich zu führen. Am Ende gab er mir, bezüglich meiner Aussage, dass es immer eine Interpretation der wissenschaftlichen Fakten geben kann, die mit der Bibel übereinstimmt, sogar Recht. Das war die erste und bisher einzige Diskussion über ein Thema, von dem ich so gut wie keine Ahnung hatte, in der mir mein Gegenüber am Ende Recht gab. Mich motivierten diese für mich selbst weitestgehend neuen Erkenntnisse dazu, dieses Buch zu schreiben. Somit entspringt der Großteil dieses Buches nicht meiner eigenen Intelligenz und Weisheit, sondern dem Sprechen des Heiligen Geistes.

Auch in den anderen Bereichen meines Lebens begann ich Gott immer tiefer kennenzulernen und erlebte Ihn auch mein ganzes Studium hindurch. Man sagt immer, das Physikstudium sei hart und zeitauftreibend und das stimmt auch, aber ich habe es nie so empfunden. Einerseits, weil es mir wirklich Spaß gemacht hat, aber auch, weil ich in harten Zeiten stets auf Gott vertrauen konnte und er immer da war.

Dies möchte ich an einem besonderen Erlebnis veranschaulichen. Es gibt ein Thema der Mathematik, welches sehr abstrakt ist und selten anschaulich vermittelt wird, für die Physik aber von großer Bedeutung ist. Ich hatte mehrmals versucht dieses Thema zu verstehen und als ich daran scheiterte, bin ich dem stets aus dem Weg gegangen und habe versucht, ohne es auszukommen. Als ich mich jedoch auf eine Prüfung vorbereitete, musste ich es verstehen und versuchte mein Bestes, um mir das irgendwie verständlich zu machen. Mit jeder Erklärung, die ich dazu las, wurde ich nur noch verwirrter. Ich saß in dem Moment in der Bibliothek und wollte abends in ein Jugendtreffen meiner Gemeinde gehen, als mich einer meiner Freunde anschrieb und fragte, ob ich etwas auf dem Herzen hatte. Er meinte, ob ich für den Abend etwas weiterzugeben habe, doch ich antwortete, mehr oder weniger scherzhaft, darauf, dass ich gerne dieses Thema verstehen würde. Nachdem ich dies getan hatte, hörte ich den Heiligen Geist sagen, dass ich doch Ihn fragen sollte. Nach kurzem Zögern tat ich das auch, es konnte ja nicht schaden. Nachdem ich den Heiligen Geist also gefragt hatte, widmete ich mich wieder diesem Thema und ich weiß nicht wie, aber innerhalb von fünf Minuten hatte ich alles verstanden. Was ich in stundenlangen Überlegungen nicht kapiert hatte, konnte mir der Heilige Geist in fünf Minuten darlegen.

Es gibt noch haufenweise weitere Ereignisse, in denen ich Gottes Wirken stark erleben konnte und so kann ich nach über 10 Jahren, in denen ich bewusst mit dem Herrn gegangen bin sagen, dass Er immer treu ist, auch wenn wir es nicht sind und das Leben mit Ihm unvergleichlich besser als das Leben ohne Ihn ist.
Ich hoffe, dass mein Zeugnis Dich dazu ermutigt hat, sich nach Gott auszustrecken und Dein persönliches Zeugnis von Ihm zu bekommen. Nur so ist es möglich, einen stabilen Glauben und mehr noch, eine echte Beziehung zu unserem Schöpfer aufzubauen.

Josua Göcking
Josua Göcking
Ich bin studierter Physiker, Softwareentwickler und Autor des Buchs "Sci-Faith - Die Vereinbarkeit von Glaube und Wissenschaft". Mein Herz brennt dafür Wissenschaft aus einem Fundament des Glaubens heraus zu betrachten und zu betreiben.