Historizität der Auferstehung Jesu

Anmerkung: Dieser Artikel ist ein Auszug aus meinem Buch Sci-Faith - Die Vereinbarkeit von Glaube und Wissenschaft. Es befindet sich in einem Kapitel welches den Glauben als eine wissenschaftliche Theorie betrachtet und ist damit eine der Bestätigungen einer solchen Glaubenstheorie. Im Buch finden sich dann noch zwei weitere Bestätigungen und eine Einordnung des Glaubens im Vergleich zur Wissenschaft.

Es gibt heutzutage kaum einen Historiker, der anzweifelt, dass Jesus von Nazareth gelebt hat. Auch dass er am Kreuz starb, scheinen die meisten zu akzeptieren. Wo jedoch die Meinungen auseinander gehen, ist bei dem, was nach Jesu Tod am Kreuz geschah.

Wenige Zeit nach Jesu Kreuzigung verdichteten sich die Zeugnisse von Menschen, die behaupteten, Jesus am Leben gesehen zu haben. Er sei ihnen erschienen und von den Toten wieder auferstanden. Diesen Teil, den die Evangelien über Jesus berichten, (gemeinsam mit den zahlreichen Zeichen und Wundern die in seinem Dienst geschahen) glauben viele Historiker nicht. Die Frage, die sich stellt, ist, ob es aus historischer Sicht Sinn macht, dies zu anzuzweifeln.

Fest steht, dass Petrus und die anderen Jünger ziemlich bald nach der Kreuzigung die Wiederauferstehung Jesu verkündeten. Auch damals gab es schon Zweifler an dieser Verkündung. Da dies in der Tat bedeutet hätte, dass Jesus der Sohn Gottes ist, war dies vor allem den Pharisäern ein Dorn im Auge. Da die Situation in der römischen Provinz Judäa, in der sich dies begab, ohnehin oft aufgeheizt war, war es auch im Interesse der Römer, diese Situation schleunigst zu beseitigen. Um dies zu widerlegen, hätte es eigentlich gereicht, im Grab Jesu nachzuschauen, ob der Leichnam noch da war. Die Tatsache, dass niemand die Aussagen der Jünger damit konfrontierte, dass er im Grab nachgeschaut hatte, impliziert, dass dieses tatsächlich leer war, denn es wäre der nächst logische Schritt gewesen, dies zu tun.

Man kann also davon ausgehen, dass das Grab leer war. Dies mag vielen nicht als ausreichender Hinweis auf eine Auferstehung von den Toten dienen, denn man mag sagen, dass der Leichnam ja auch gestohlen worden sein konnte. Als Täter werden hier oft die Jünger genannt, da niemand sonst ein Motiv für eine solche Tat hätte (wir werden später sehen, dass auch diese eigentlich kein stichhaltiges Motiv gehabt hätten). Es ist allerdings so, dass dieses Grab von römischen Soldaten bewacht wurde und versiegelt war. Auf das Öffnen eines von den Römern versiegelten Grabes stand die Todesstrafe. Zumal man dafür erst an den römischen Wachposten vorbei musste.

Die Jünger, die sich nach dem Bericht der Evangelien alle bis auf Johannes bei der Kreuzigung Jesu in Angst versteckt hatten, sollten also einen römischen Wachposten überwältigt und deren Siegel entfernt haben, nur um einen Leichnam zu stehlen und danach zu verkünden, Jesu sei von den Toten auferstanden?

Die Frage, die sich hier stellt, ist: Warum?
Warum das Risiko des eigenen Todes eingehen, was, da es sich zum großen Teil um einfache Leute handelte, gegen einen römischen Wachposten nicht unwahrscheinlich gewesen wäre, nur um behaupten zu können, Jesus sei von den Toten auferstanden? Es wird oft angemerkt, dass der römische Wachposten eingeschlafen sei. Da jedoch auf ein Einschlafen eines Soldaten im Dienst die Todesstrafe drohte, kann man sich vorstellen, dass diese Soldaten auch bei größter Müdigkeit einen Weg fanden, sich wach zu halten.

Wie dem auch sei, es bleibt die Frage nach dem warum. So oder so wäre es für die Jünger ein Risiko gewesen, dies zu tun. Ein solches Risiko geht man nur ein, wenn das, was man dafür bekommt, es wert ist. Hier argumentiert man oft, dass die Jünger dadurch zu Ruhm kamen und später als Heilige verehrt wurden. Jedoch missachtet man dabei, dass dies erst lange nach dem Tod der Jünger geschah. Aus der Verkündung des Evangeliums hatten die Jünger nach natürlichen Maßstäben keine großen Vorteile. Vor allem an den eintretenden Christenverfolgungen und der Tatsache, dass abgesehen von Johannes, welcher ins Exil auf die Insel Patmos verbannt wurde, jeder der Jünger den Märtyrertod starb, sollte deutlich werden, dass die Vortäuschung der Auferstehung Jesu keinerlei Eigengewinn lieferte und daher die Jünger kein stichhaltiges Motiv für den Diebstahl des Leichnam Jesus hatten. Auch war es für die Jünger keineswegs klar, dass sich diese Botschaft über den gesamten Erdkreis verbreiten und das Christentum zur Weltreligion werden würde, da die Jünger zu ihren Lebzeiten nichts als Verfolgung kannten. Hoffnungen auf künftigen Ruhm dürften daher auch eher gering und ein solches Risiko nicht wert gewesen sein. Zumal dies das Entweihen eines Grabes wäre und dass strenggläubige Juden das Grab ihres großen Vorbildes und Freundes einfach zu einem nicht vorhandenen Eigennutzen entweihen, entzieht sich jeder Logik. Interessanterweise wird diese Behauptung, - laut Matthäusevangelium - bereits von den Pharisäern verwendet, als sie von den römischen Wachposten über die Grabesöffnung erfahren.

Zusätzlich zu dem leeren Grab gibt es natürlich auch haufenweise Zeugnisse von Menschen, denen Jesus nach seiner Auferstehung begegnet sein soll. Allein die Evangelien berichten von Begegnungen mit Maria Magdalena, den Aposteln und den Emmausjüngern. Zudem berichtet Paulus in seinem Brief an die Korinther von über 500 Menschen, denen Jesus nach seiner Auferstehung erschienen sei, von denen die meisten zur damaligen Zeit noch am Leben waren.

Eine Erscheinung mag man auf Halluzinationen zurückführen können, zwei wegen mir auch, aber Hunderte, von denen sich die meisten wie ein Ei dem anderen gleichen, sind unmöglich nur auf Einbildungen oder Wunschdenken zurückzuführen.

Es ist sogar so, dass, laut einigen Gelehrten, die Auferstehung Jesu sogar eine der am besten bestätigten Ereignisse der Antike ist1)Josh McDowell Die Tatsache der Auferstehung, Christliche Literatur-Verbreitung, 1993.. Wer also ernsthaft die Auferstehung Jesu anzweifeln möchte, muss demnach auch ernsthaft daran zweifeln, dass das, was wir heute, beispielsweise über Julius Caesar wissen, der Wahrheit entspricht.

Auf diesen überwältigenden Anteil an Beweisen wird man oft mit einer auf den ersten Blick rational klingenden, eigentlich aber sinnfreien Argumentation, konfrontiert. Jeder, der Zeugnis von der Auferstehung Jesu gab, war ein Gläubiger. Daher gibt es keine unabhängigen Zeugen seiner Auferstehung und somit sind all diese Hinweise hinfällig. Klingt einleuchtend, möchte man meinen. Allerdings ist es so: Wenn wir davon ausgehen, dass Jesus wirklich von den Toten auferstanden ist und wir weiter davon ausgehen, dass diese Zeugen ihn nach seiner Auferstehung gesehen haben, wie können die dann nicht glauben? Wie kann jemand, der Julius Caesar gesehen hat, nicht glauben dass er je existiert hat? Und wie kann jemand, der Jesus nach seinem Tod am Leben gesehen hat, nicht glauben, dass dieser wahrhaftig der Sohn Gottes ist?

Es wird also deutlich, dass es überhaupt nicht möglich ist, einen unabhängigen Zeugen zu finden und das eine solche Art von unabhängigen Zeugen, wie sie hier gefordert wird, überhaupt nicht existieren kann. Denn ein solcher Zeuge müsste an dem zweifeln, was er mit seinen eigenen Augen gesehen hat. Diese Argumentationsweise ist also hinfällig.

Es zeigt sich also, dass es weit mehr Hinweise auf die Historizität der Auferstehung Jesu gibt als es Beweise oder hinreichende Argumente dagegen gäbe. Wie jede Theorie lässt sich auch dies nicht beweisen, jedoch weisen die Hinweise, entgegen dem was oft gesagt wird, eher auf die Wahrheit des Evangeliums als auf deren Falschheit hin. Die Tatsache, dass es von den meisten Historikern dennoch bezweifelt wird, ist daher meines Erachtens nach unbegründet und rührt, wie so oft im Umgang mit solchen Berichten daher, dass es dem Dogma, dass es nichts gibt, was nicht auf natürliche Weise zu erklären ist, widerspricht.

Einzelnachweise   [ + ]

Josua Göcking
Josua Göcking
Ich bin studierter Physiker, Softwareentwickler und Autor des Buchs "Sci-Faith - Die Vereinbarkeit von Glaube und Wissenschaft". Mein Herz brennt dafür Wissenschaft aus einem Fundament des Glaubens heraus zu betrachten und zu betreiben.