Das Wort Gottes Teil II: Die Tiefe des Wortes

In Hesekiel 1 berichtet dieser davon wie sich ihm der Himmel geöffnet hatte und er eine Gotteserscheinung hatte. In dieser sieht er unter anderem Räder, die er wie folgt beschreibt:

"Das Aussehen der Räder und ihre Verarbeitung war wie das Funkeln von Türkis, und die vier hatten ein und dieselbe Gestalt; und ihr Aussehen und ihre Verarbeitung war, wie wenn ein Rad mitten im anderen Rad wäre."
- Hesekiel 1,16

Er spricht hier also von Rädern in den Rädern. Ich stelle mir dies so vor, dass in jedem dieser Räder ein weiteres Rad ist in welchem wieder ein weiteres Rad ist und so weiter.

Diese Räder in den Rädern können als ein Bild auf die Tiefe des Wortes Gottes verstanden werden. Wenn man sich mit dem Wort Gottes auseinandersetzt, merkt man schnell, dass es zu jeder Stelle oder Geschichte in der Bibel unterschiedliche Ebenen gibt. Wie bei einer Zwiebel kann man durch die Offenbarung des Heiligen Geistes immer tiefere Schichten der Bibel offenlegen. Beispielsweise handelt das 2. Buch Mose an der obersten Ebene vom durch Gottes Hilfe bewirkten Auszug der Israeliten aus der Sklaverei in Ägypten in das von Gott verheißene Land. Auf einer tieferen Ebene lässt es sich aber auch als ein Bild auf die Befreiung des Menschen aus dem Machtbereich der Finsternis (Sklaverei in Ägypten) in das Reich des Sohnes Seiner Liebe (verheißenes Land) durch das Erlösungswerk Jesu Christi verstehen. Das beim Passahfest, welches an dieses Ereignis erinnert, geschlachtete Lamm ist somit ein weiteres Bild auf Jesu Opfertod am Kreuz. Dies wird auch dadurch bestätigt, dass Jesus Kreuzigung selbst am Tag des Passahfests vollzogen wurde.

Das ist jedoch nicht die einzige Geschichte der Bibel die in ihrer tieferen Ebene auf Christus hindeutet. Im gesamten Alten Testament finden sich solche Vorschatten. Zudem scheint es, dass man beliebig tiefen Ebenen in allen biblischen Erzählungen finden kann. So gelingt es sogar einigen in den einzelnen hebräischen Buchstaben, in welchen das Alte Testament geschrieben ist, neue Offenbarungen über Gottes Wort zu finden.

Das Wort Gottes hat also eine scheinbar unendliche Tiefe. Dies ist in Einklang mit dem letzten Blogpost, der das Wort Gottes als die ganze Wahrheit darlegte und die Bibel als die Basis dieser Wahrheit versteht. Tiefere Ebenen sind in diesem Kontext also einfach weitere Linearkombinationen der Basisvektoren welche die Bibel gibt. Im Bild von Farben ist eine tiefere Ebene einfach eine neue Mischung der Grundfarben, die von der Bibel als Basis gegeben werden.

Unterschiedlich tiefe Ebenen in der Natur

Interessanterweise tritt dieses Prinzip in der Natur auch auf, ganz gemäß dem Prinzip: Die Schöpfung spiegelt den Schöpfer wider. Hier ist es so, dass man mit jeder neuen Größenskala in eine tiefere Realität kommt. Betrachtet man beispielsweise ein Blatt genauer, so werden mit jeder Vergrößerung tiefere Ebenen erkennbar. Vor Augen sah man nur ein grünes Blatt unter einem Mikroskop sieht man bereits einzelne kleine Tierchen und vieles anderes. Bei einer noch größeren Vergrößerung werden die einzelnen Zellen aus denen das Blatt besteht sichtbar. Dies lässt sich weiterführen bis man schließlich an technische Grenzen gerät und die tieferen Strukturen nicht mehr weiter auflösen kann. Könnte man dies würde man irgendwann beginnen die einzelnen Atome zu sehen, aus denen dieses Blatt aufgebaut ist. Noch tiefer würde man die Atomkerne und schließlich die einzelnen Protonen und Neutronen sehen. Doch hier hört es noch nicht auf. Diese Protonen und Neutronen wiederum bestehen aus sogenannten Quarks. Kehrt man das Ganze um hat man im Makroskopischen denselben Effekt. Man schaut zunächst ins All und sieht die Planeten unseres Sonnensystems. Entfernt man sich weiter sieht man schließlich unsere Galaxie. Auf einer noch größeren Skala sieht man schließlich ganze Galaxienhaufen und wer weiß was dahinter noch kommt.

Zudem gibt es in der theoretischen Teilchenphysik einen Sachverhalt, der diese unterschiedlichen Tiefen weiter veranschaulicht:

Renormierung in der Teilchenphysik

Auf Teilchenebene verhält sich die Physik nicht wie wir es in der uns gewohnten klassischen Physik erwarten würden. Dort kann man z.B. nicht mehr sagen ob ein Teilchen an einem bestimmten Ort ist oder nicht, sondern nur eine Wahrscheinlichkeit dafür angeben es dort vorzufinden. Diese fundamental andere Beschreibung der Physik auf Teilchenebene erfolgt durch die Quantenmechanik. Diese war jedoch zunächst formuliert ohne Rücksicht auf die Relativitätstheorie zu nehmen. Daher musste die Theorie angepasst werden, woraus die Quantenfeldtheorie entstand. Diese beinhaltet auch die Erkenntnisse der Relativitätstheorie, zumindest der speziellen Relativitätstheorie ohne Gravitation.

In der Quantenfeldtheorie beschreibt man Teilchen als Felder. Ein Teilchen ist dann so etwas wie die minimale Anregung eines solchen Teilchenfelds. Diese Beschreibung erlaubt es die Quantenmechanik mit der speziellen Relativitätstheorie zu vereinen bringt aber auch ein Problem mit sich. Denn sehr bald treten in den Gleichungen der Quantenfeldtheorie Terme auf die divergieren, d.h. unendlich groß sind. Solche Terme sind absolut unphysikalisch und ergeben daher keinen Sinn. Muss man die Theorie also verwerfen?

Ein genaueres Betrachten der Ursachen dieser sogenannten Divergenzen schafft hier Abhilfe. Es zeigt sich, dass diese Divergenzen darauf hindeuten, dass die Theorie nur in einem bestimmten Energiebereich gültig ist. Es handelt sich also um eine effektive Theorie statt einer fundamentalen Theorie. Eine fundamentale Theorie ist auf allen Energieskalen gültig, während eine effektive Theorie nur in einem gewissen Energiebereich gültig ist. Mehr zu effektiven und fundamentalen Theorien findet sich auch in meinem Buch.

Was die Theorie rettet ist der Mechanismus der Renormierung. Hierbei werden die divergierenden Terme durch Gegenterme absorbiert. Diese Gegenterme sind Konstanten der Theorie, wie z.B. die Vakuumenergie. Das Problem hierbei ist, dass dadurch, dass diese Konstanten verwendet werden um sich der divergenten Terme zu entledigen, diese nicht mehr vorhergesagt, sondern durch Messungen bestimmt werden müssen. Daher wird die Theorie somit zu einer effektiven Theorie.

Viele argumentieren, dass deshalb die Quantenfeldtheorie früher oder später durch eine fundamentale Theorie ersetzt werden muss, welche diese Konstanten vorhersagen kann. Die Stringtheorie wird derzeit als ein Kandidat für eine solche Theorie gehandelt, ist jedoch noch weit von ihrer experimentellen Überprüfung entfernt. Es wird jedoch auch argumentiert, dass diese Art von effektiver Theorie auch in der Natur so verankert sein könnte und dies Konstanten gar nicht mittels einer Theorie vorhergesagt, sondern stets gemessen werden müssen.

Durch die Renormierung schafft man es also die Quantenfeldtheorie im jeweiligen Energiebereich gültig zu machen. Ändert man den Energiebereich muss man die Konstanten entsprechend anpassen um die divergenten Terme zu vermeiden. Jeden Energiebereich kann man als eine bestimmte Ebene sehen. In der Physik ist es so, dass hohe Energien kurze Distanzen bedeuten. Umso höher die Energieskala ist umso tiefer ist auch die Ebene die man betrachtet.

Ich glaube genauso verhält es sich mit dem Wort Gottes auch. Alles im Wort Gottes hat eine unendliche Tiefe. Und mit jeder tieferen Ebene ändern sich womöglich einige Dinge im Vergleich zur nächst höheren Ebene. In der Physik sind dies die Konstanten, die gemessen werden müssen also gewissermaßen vom Himmel fallen. In der Auslegung des Wortes Gottes fällt dies auch vom Himmel, nur nicht durch Messungen, sondern durch die Eingebung des Heiligen Geistes. Daher ist es auch wichtig, die Bibel immer inspiriert vom Heiligen Geist zu lesen, da sonst diese Randbedingungen nicht gesetzt sind und man wie in der Physik nur unsinnige Ergebnisse (Divergenzen) erhält.

Lasst uns also in die Tiefen des Wortes Gottes einsteigen und uns dabei bewusst sein, dass jede Ungereimtheit (Divergenz) durch die Inspiration des Heiligen Geistes (Renormierung) aufgelöst werden kann. Ich bin immer wieder überrascht wie scheinbare Widersprüche im Wort Gottes sich dadurch auflösen lassen und welche unendliche Tiefe Gottes Wort tatsächlich hat.

Im nächsten Blogpost folgt der letzte Teil dieser Serie über das Wort Gottes, welche dessen Zeitlosigkeit behandelt. Auch dies werde ich an Beispielen aus der Wissenschaft veranschaulichen.

Josua Göcking
Josua Göcking
Ich bin studierter Physiker, Softwareentwickler und Autor des Buchs "Sci-Faith - Die Vereinbarkeit von Glaube und Wissenschaft". Mein Herz brennt dafür Wissenschaft aus einem Fundament des Glaubens heraus zu betrachten und zu betreiben.