Die Pascalsche Wette 2.0

Blaise Pascal war ein französischer Mathematiker und Physiker im 17. Jahrhundert. Er befasste sich unter anderem mit der Statistik und Wahrscheinlichkeitstheorie. Da diese mathematischen Konzepte vor allem auch in der Statistischen Physik von großer Bedeutung sind hat er auch auf diesem Gebiet bedeutende Beiträge geliefert. Dies zeigt sich unter anderem auch daran, dass eine Einheit für den Druck nach Pascal benannt ist.

Jedoch war Pascal nicht nur Wissenschaftler, sondern auch überzeugter Christ und beschäftigte sich neben der Wissenschaft auch sehr viel mit dem Glauben. Er hat, wie ich finde, viele treffende Aussagen zum Thema Glaube und Wissenschaft gemacht, von denen ich einige als Zitat am Anfang des einen oder anderen Kapitel meines Buches verwendet habe.

Zudem brachte er ein Argument für den Glauben ein, dass aus dem Bereich der Wahrscheinlichkeitstheorie stammt, also einem Bereich mit dem er sich bestens auskannte. Dies ist bekannt als die Pascalsche Wette. Ich möchte in diesem Blogpost diese kurz beschreiben und dann eine eigene Erweiterung anführen.

Die Pascalsche Wette

Das Argument hinter der Pascalschen Wette ist das Folgende: Ob es einen Gott gibt oder nicht kann nicht bewiesen werden. Wenn man an Gott glaubt kann man sich somit nicht sicher sein ob er tatsächlich existiert. Dennoch an Ihn zu glauben kommt somit einer Wette gleich. Wer die Wahrscheinlichkeitstheorie beherrscht wird nun bevor er eine solche Wette eingeht abwägen ob es das Risiko Wert ist. Dies geschieht in dem man den zu erbringenden Einsatz mit dem zu erwartenden Gewinn verrechnet und daraus eine Gewinnerwartung herleitet. Die dadurch erhaltene Größe wird als Erwartungswert bezeichnet.

Pascal argumentiert nun, dass der zu erwartende Gewinn wenn man glaubt und Gott existiert unendlich groß ist (Ewiges Leben) und wenn man nicht glaubt Gott aber existiert unendlich negativ ist (Ewiges Verderben). Existiert Gott nicht, so Pascal, wird man ob man nun glaubt oder nicht weder Verlust noch Gewinn daraus ziehen. Somit ist es so, dass der Gewinn wenn man glaubt, dass Gott existiert stets maximal ist, ganz egal ob Gott existiert oder nicht.

Es gibt einige Kritikpunkte die zu diesem Argument geliefert wurden. Zum einen wird bemängelt, dass Pascal davon ausgeht, dass zu Glauben nichts kosten würde. Da ein christlicher Lebenswandel oft den Verzicht auf die ein oder andere Verhaltensweise erfordert wird dies von einigen als unzutreffend angesehen. Des Weiteren kann man sich ja auch die Frage stellen an welchen Gott man den Glauben soll, was die Wette erschwert.

Zudem könnte man die scheinbaren Kosten durch einen christlichen Lebenswandel in einem solchen Szenario möglicherweise umgehen, indem man sich entscheidet erst auf dem Sterbebett die Entscheidung für den Glauben zu treffen.

Ich selbst bin von von diesem Argument auch nur bedingt überzeugt. Ich finde es eignet sich gut um grundsätzlich für den Glauben zu argumentieren. Auf ein solches Argument den eigenen Glauben aufzbauen halte ich allerdings für unvernünftig. Ein solcher Glaube wird sehr instabil sein und wohl schon bei den ersten Problemen bereits ins Wanken kommen. Wie ich in meinem Buch auch schreibe, glaube ich, dass es für einen stabilen Glauben ein persönliches Zeugnis von Gott braucht. Mit anderen Worten man muss Gott persönlich erlebt haben um einen Glauben an Ihn zu entwickeln, der auch größeren Widrigkeiten standhalten kann.

Als eine Erklärung für jemanden der nicht glaubt finde ich diese Argumentation insbesondere in der von mir erweiterten Version aber sehr hilfreich:

Die erweiterte Pascalsche Wette

In der erweiterten Pascalschen Wette oder auch wie im Titel der Pascalschen Wette 2.0 wird berücksichtigt, welche Folgen, das Leben im Glauben auf uns im Jetzt hat. Gemäß 2. Korinther 5,17 ist jeder der in Christus ist eine neue Schöpfung. Die Alte Natur ist vergangen und etwas völlig Neues ist geworden. Wenn man als Christ also eine neue Schöpfung ist stellt sich die Frage, wie diese sich von der Alten Natur unterscheidet. Auch hierauf bietet die Bibel Antworten. Es ist eine Natur die eins mit dem Vater Gott ist, erfüllt mit Seiner Liebe, Freude und Seinem Frieden. Dieser Frieden der allen Verstand übersteigt, wie es im Philliperbrief heißt, erlaubt es den Christen auch in den widrigsten Umständen festzustehen, wie man es auch bei den ersten Christen sehen konnte, die auch beim sich anbahnenden Martyrium nicht erschüttert wurden und sich sogar weiter im Herrn freuten.

Als Christen leben wir also jetzt schon erfüllt vom Heiligen Geist, der uns mit ein Leben im Überfluss schenkt (vgl. Joh. 10,10). Dies ist nicht nur theologische Theorie, sondern wie ich aus eigener Erfahrung bezeugen kann tatsächlich im Leben mit Jesus der Fall. Wie genau ich dies in meinem Leben erlebe und erlebt habe schildere ich ausführlich in einem Kapitel meines Buches.

Diese Erfahrung erlaubt es mir die Pascalsche Wette auf folgende Art und Weise zu erweitern: Der Mehrwert darin zu Glauben ergibt sich nicht nur aus einer Chance im Jenseits ewiges Leben zu erlangen, sondern da dieses ewige Leben bereits jetzt beginnt ist dieser Mehrwert schon im Jetzt da. Da eine solche Erfüllung, nach meiner Kenntnis, nur im christlichen Glauben zu finden ist, erübrigt sich damit auch die Frage danach an welchen Gott man denn glauben soll.

Man mag kritisieren, dass diese Erfüllung ja nur eingebildet sein könnte und man sich etwas vormacht. Doch auch hier ist es so: Selbst wenn man sich dadurch etwas vormacht, wovon jeder der diese Erfüllung erlebt hat weiß, dass es nicht sein kann, ist es so, dass wenn es keinen Gott gäbe es auch eigentlich relativ egal ist ob man sich etwas vormacht oder nicht. Wenn man dann eine Lüge lebt die erfüllender ist als die Wahrheit macht es keinen Unterschied, da richtig zu liegen keinerlei Mehrwert liefert. Allerdings zeigt sich hieran bereits, dass es keine Lüge sein kann. Denn eine Lüge kann womöglich einfacher zu verkraften sein als die Wahrheit, aber auf lange Sicht kann eine Lüge unmöglich erfüllender sein als die Wahrheit.

Somit löst für mich diese Erweiterung der Pascalschen Wette die zuvor genannten Probleme der ursprünglichen Wette. Auch eine Entscheidung für den Glauben erst am Sterbebett macht dann wenig Sinn, da das Leben im Glauben erfüllender ist und ein christlicher Lebenswandel, auch wenn es manchmal nicht so scheinen mag, die volle Erfüllung mit sich bringt.

Wie bereits erwähnt macht es wenig Sinn diese Wette tatsächlich einzugehen und deshalb zu glauben, weil ein solcher Glauben sehr instabil wäre. Es soll viel mehr dazu dienen aufzuzeigen, dass ein Leben mit Gott weitaus erfüllender ist als jeglicher andere Lebenswandel. In Anbetracht dessen, dass Gott allmächtig ist und genau weiß was jeder von uns braucht ergibt diese Aussage durchaus Sinn. Insofern scheint es vernünftig sich danach auszustrecken Gott zu begegnen, denn wenn Er wirklich exisitiert und das was in der Bibel steht wahr ist, wird Er sich jedem zeigen der ernsthaft nach Ihm sucht. Auf dieses Zeugnis von Seiner Realität lässt sich dann ein stabiler Glaube aufbauen, der all diese Erfüllungen mit sich bringt. Auch bei Pascal selbst war es so, dass dieser eine Begegnung mit Gott hatte, welche für ihn so prägend war, dass er die Niederschrift dieses Erlebnisses stets in seiner Jackentasche eingenäht bei sich trug. Auf dieser Begegnung fundierte sich, so glaube ich, sein Glauben und seine Wette war somit eine Argumentation für seinen Glauben für jene die seine Begegnung mit Gott nicht nachvollziehen konnten.

Ich möchte daher jeden ermutigen sich nach dieser Begegnung mit Gott auszustrecken. Wenn es Ihn tatsächlich gibt und dieses Leben im Überfluss, von dem die Bibel spricht verfügbar ist sollte man es nicht versäumen dies auch für das eigene Leben zu ergreifen.

Josua Göcking
Josua Göcking
Ich bin studierter Physiker, Softwareentwickler und Autor des Buchs "Sci-Faith - Die Vereinbarkeit von Glaube und Wissenschaft". Mein Herz brennt dafür Wissenschaft aus einem Fundament des Glaubens heraus zu betrachten und zu betreiben.