Kann Gott einen Stein erschaffen den Er nicht anheben kann?

Ein Paradoxon, dass immer wieder aufgebracht wird wenn man sich mit Atheisten über den Glauben unterhält ist, wie ein allmächtiger Gott denn möglich sein kann. Denn durch seine Allmacht sollte dieser Gott doch in der Lage sein einen Stein zu erschaffen, den er nicht anheben kann. Jedoch würde ein Stein den Gott nicht anheben kann der Allmächtigkeit Gottes widersprechen.

Viele glauben, dass dieses Paradoxon die Unmöglichkeit eines Gottes beweist und sehen es meist als ein Totschlag-Argument gegen den Glauben an. Jedoch zeigt dieses Paradoxon nicht auf, dass Allmacht in sich selbst widersprüchlich ist, sondern nur, dass Allmacht für unseren begrenzten Verstand widersprüchlich ist.

Bei den meisten Paradoxien ist es so, dass sie nicht auf eine Unmöglichkeit, sondern vielmehr auf einen Denkfehler oder die begrenzte Vorstellungskraft des Verstandes hindeuten. Dies ist vor allem dann der Fall wenn es, wie auch hier, um Konzepte geht, die mit Unendlichkeit zu tun haben.

Ein Beispiel aus der Antike hierfür sind die sogenannten Zeno Paradoxien, insbesondere das von Achilles und der Schildkröte. Zeno war ein Philosoph im antiken Griechenland und setzte sich intensiv mit Widersprüchlichkeiten der Bewegung auseinander. So erdachte er sich das Szenario in welchem Achilles ein Wettrennen mit einer Schildkröte bestreitet. Um dieser eine Chance zu geben gewährt Achilles ihr einen Vorsprung von 100 Metern. Achilles selbst schafft diese hundert Meter in 10 Sekunden. In diesen 10 Sekunden bewegt sich die Schildkröte allerdings weitere 10 Meter. In der Sekunde die Achilles braucht um diese 10 Meter aufzuholen hat die Schildkröte aber wieder eine kleine Teilstrecke zurückgelegt.

Daraus folgerte Zeno, dass Achilles, obwohl er schneller ist, nach dieser Logik die Schildkröte nie einholen würde, da immer wenn er den Vorsprung der Schildkröte aufgeholt hätte diese eine, wenn auch winzige Distanz zurückgelegt hätte und damit stets vor Achilles wäre.

Zeno dürfte damals bereits klar gewesen sein, dass dies auf einem Fehler in seinem Denken zurückgehen musste, da er bestimmt desöfteren beobachtet haben dürfte wie in einem Rennen ein Vorsprung von einem schnelleren Läufer eingeholt wurde.

Durch die Entwicklung der Infinitesimalrechnung von Leibniz und Newton konnte dieses Paradoxon auch auf mathematischem Wege aufgehoben werden. In dieser teilt man den Raum in unendlich kleine Teilstücke auf. Es war also ein fehlendes Verständnis für Unendlichkeit, welche die Probleme in Zenos Denken hervorriefen.

Bei anfangs erwähntem Paradoxon ist es ebenfalls so, dass die Schwierigkeit des menschlichen Verstandes Unendlichkeit zu begreifen ursächlich für diesen Widerspruch ist. Nur handelt es sich nun nicht um unendlich kleine Teilstücke sondern um unendliche Macht, also Allmacht.

Allerdings gibt es auch hier ein Gedankenexperiment aus der Mathematik, welches meiner Meinung nach äquivalent zu obigem Paradoxon ist, das sogenannte Hilbert Hotel:

Nehmen wir einmal an es gäbe ein Hotel mit unendlich vielen Zimmern. Weiter nehmen wir an, dass alle Zimmer in diesem Hotel belegt sind.

Nun tritt ein neuer Kunde an die Rezeption der unbedingt ein Zimmer braucht. Statt ihn abzuweisen hat der Rezeptionist eine Idee:

Er geht zu Zimmer Nr. 1, klopft und fragt höflich ob der Hotelgast bereit wäre in ein anderes Zimmer zu wechseln. Nachdem dieser überzeugt werden konnte und sein Zimmer geräumt hat, lässt der Rezeptionist den neuen Kunden in das Zimmer Nr. 1. Jetzt hat er jedoch das Problem, dass der vorherige Bewohner des Zimmers im Flur steht und auf sein neues Zimmer wartet.

Kein Problem, denkt sich der Rezeptionist und klopft bei Zimmer Nr. 2. Auch den Gast in Zimmer Nr. 2 fragt er ob dieser bereit ist das Zimmer zu wechseln und lässt den Gast aus Zimmer Nr. 1 in Zimmer Nr. 2 wechseln.

Dieses Spiel treibt der Rezeptionist nun weiter und weiter. In einem Hotel mit endlich vielen Zimmern würde irgendwann ein letztes Zimmer erreicht sein und dem Rezeptionisten würde kein Zimmer mehr zur Wahl stehen, welches er diesem Gast anbieten könnte. In einem Hotel mit unendlich vielen Zimmern kann der Rezeptionist diesen Vorgang jedoch ad infinitum fortführen und schafft es somit ein volles Hotel weiter zu füllen.

Auch wenn noch weitere Gäste eintreffen kann mit derselben Technik, jedem dieser Gäste ein Zimmer verschafft werden, obwohl das Hotel voll besetzt ist.

Das erscheint äußerst paradox, was aber nur daran liegt, dass es unserer Intuition widerspricht. Das Problem ist daher die Unmöglichkeit des Menschen sich Unendlichkeit vorzustellen und nicht, dass etwas an diesem Gedankenexperiment falsch ist.

Genauso verhält es sich mit dem scheinbaren Paradoxon ob ein allmächtiger Gott in der Lage ist einen Stein zu schaffen, den er nicht anheben kann. Es macht durchaus Sinn anzunehmen, dass Allmacht unendlich viel Macht bedeutet. Paradox ist hier nicht Gottes Allmacht, sondern die Tatsache, dass wir das Konzept von unendlich viel Macht mit unserem Verstand genauso wenig erfassen können wie das Konzept eines Hotels mit unendlich vielen Räumen.

Beantwortend auf das Paradoxon kann man somit sagen, ja ein allmächtiger Gott kann einen solchen Stein schaffen, den er nicht anheben kann, aber er wird dann aufgrund seiner unendlichen Macht trotzdem in der Lage sein diesen anzuheben.

Genauso wie das Hilbert Hotel auch wenn es voll ist noch mit weiteren Gästen befüllt werden kann, kann ein allmächtiger Gott einen Stein, welchen er als für ihn nicht anhebbar geschaffen hat trotzdem anheben.

Ich hoffe ich konnte mit diesem Artikel veranschaulichen, dass dieses Paradoxon in der Unmöglichkeit des Menschen Unendlichkeit zu begreifen begründet liegt und nicht in der Unmöglichkeit eines allmächtigen Gottes.

Josua Göcking
Josua Göcking
Ich bin studierter Physiker, Softwareentwickler und Autor des Buchs "Sci-Faith - Die Vereinbarkeit von Glaube und Wissenschaft". Mein Herz brennt dafür Wissenschaft aus einem Fundament des Glaubens heraus zu betrachten und zu betreiben.